Wie oft braucht eine Zahnarztpraxis ein Notfalltraining? Empfehlungen & gesetzliche Vorgaben
- PKNM
- 20. Juni
- 3 Min. Lesezeit

Kreislaufkollaps, allergische Reaktionen, Herzinfarkt oder Atemstillstand können in Zahnarztpraxen jederzeit auftreten. In solchen Situationen entscheidet die Vorbereitung des gesamten Praxisteams darüber, wie sicher und schnell Patient:innen versorgt werden.
Doch wie häufig sollte ein Notfalltraining stattfinden? Gibt es gesetzliche Vorgaben? Und welche Empfehlungen gelten für Zahnarztpraxen?
In diesem Artikel erfahren Sie, wie oft ein Notfalltraining sinnvoll ist, welche rechtlichen Anforderungen bestehen und wie Praxen ihr Team optimal vorbereiten können.
Warum Notfalltraining in der Zahnarztpraxis so wichtig ist
Auch wenn schwere medizinische Notfälle in Zahnarztpraxen selten sind, gehört das Risiko zum Praxisalltag. Viele Patient:innen sind älter oder haben Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Allergien.
Typische Notfälle in der Zahnarztpraxis sind zum Beispiel:
Kreislaufkollaps oder Synkope
Hypoglykämie bei Diabetes
allergische Reaktionen auf Medikamente
hypertensive Krise
Atemnot oder Asthmaanfall
Herzinfarkt oder Herzstillstand (sehr selten)
In solchen Situationen zählt jede Minute. Ein strukturiertes Notfallmanagement und regelmäßige Trainings helfen dem Praxisteam dabei, ruhig und sicher zu handeln.
Gibt es gesetzliche Vorgaben für Notfalltrainings in Zahnarztpraxen?
Eine einheitliche gesetzliche Regelung, die exakt vorgibt, wie oft ein Notfalltraining stattfinden muss, gibt es in Deutschland nicht.
Dennoch existieren mehrere rechtliche und fachliche Grundlagen, die regelmäßige Schulungen nahelegen.
Dazu gehören unter anderem:
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)
DGUV Vorschrift 1 – Grundsätze der Prävention
Vorgaben der Zahnärztekammern und KZVen
Qualitätsmanagement-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA)
Diese Regelwerke verpflichten Praxen dazu, ihre Mitarbeitenden regelmäßig zu unterweisen und auf Notfälle vorzubereiten. Das bedeutet konkret: Die Praxisleitung muss sicherstellen, dass das Team im Ernstfall handlungsfähig und geschult ist.
Wie oft sollte ein Notfalltraining stattfinden?
Viele Fachgesellschaften und Fortbildungsanbieter empfehlen:
Mindestens einmal pro Jahr
Ein jährliches Notfalltraining gilt als sinnvoller Standard für Zahnarztpraxen.
Der Grund: Notfallsituationen kommen selten vor. Ohne regelmäßige Übung geraten Abläufe schnell in Vergessenheit. Studien zeigen, dass Kenntnisse in der Reanimation und im Notfallmanagement bereits nach wenigen Monaten deutlich nachlassen.
Ein jährliches Training hilft dabei:
Abläufe zu festigen
neue Teammitglieder einzuarbeiten
Sicherheitslücken zu erkennen
das Zusammenspiel im Team zu verbessern
Der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) empfiehlt Notfalltrainings sogar 1-2x im Jahr in der Praxis durchzufüren um im Notfall vorbereitet zu sein.
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Wann zusätzliche Trainings sinnvoll sind
Neben dem jährlichen Training können weitere Schulungen sinnvoll sein, zum Beispiel:
1. Bei neuen Mitarbeitenden Neue Teammitglieder sollten frühzeitig in das Notfallmanagement der Praxis eingeführt werden.
2. Bei Änderungen der Notfallausrüstung Wenn neue Geräte angeschafft werden (z. B. AED oder Notfallkoffer), sollte das Team deren Anwendung üben.
3. Nach einem echten Notfall in der Praxis Ein Debriefing oder zusätzliches Training hilft, Abläufe zu reflektieren und zu verbessern.
4. Bei größeren Praxisveränderungen Zum Beispiel bei Umzug, Erweiterung oder neuen Behandlungsschwerpunkten.
Welche Inhalte sollte ein Notfalltraining für Zahnarztpraxen umfassen?
Ein gutes Training verbindet Theorie, praktische Übungen und Teamabläufe.
Typische Inhalte sind:
Medizinische Notfälle erkennen
typische Symptome
Risikopatient:innen identifizieren
schnelle Erstbeurteilung
Reanimation (BLS)
Herz-Lungen-Wiederbelebung
Einsatz eines AED
stabile Seitenlage
Praxisinterne Notfallorganisation
Rollen im Team
Alarmierung des Rettungsdienstes
strukturierte Kommunikation
Umgang mit Notfallalgorithmen und Checklisten
Notfallmedikamente
Anwendung von Adrenalin, Glukose, Nitrospray etc.
Dosierung und Indikationen
Umgang mit der Notfallausrüstung
Notfallkoffer / Notfallrucksack
Sauerstoffsysteme
Absaugung
Gerade praxisnahe Simulationen sind besonders wertvoll, weil sie echte Stresssituationen realistisch nachstellen.
Inhouse-Notfalltraining: Besonders effektiv für Zahnarztpraxen
Viele Praxen entscheiden sich für ein Inhouse-Notfalltraining direkt in der eigenen Praxis.
Das hat mehrere Vorteile:
Training in der realen Praxisumgebung
das gesamte Team wird gemeinsam geschult
Abläufe können direkt vor Ort optimiert werden
individuelle Praxisstrukturen werden berücksichtigt
Außerdem lassen sich Notfallkoffer, Medikamente und Geräte der eigenen Praxis direkt im Training einsetzen.
Notfalltraining und Qualitätsmanagement in der Zahnarztpraxis
Regelmäßige Notfalltrainings sind auch ein wichtiger Bestandteil des praxisinternen Qualitätsmanagements (QM).
Viele Praxen dokumentieren Schulungen beispielsweise in:
QM-Handbüchern
Fortbildungsnachweisen
Teamprotokollen
Das zeigt gegenüber Aufsichtsbehörden und Patient:innen, dass die Praxis höchste Sicherheitsstandards einhält.
Fazit: Wie oft braucht eine Zahnarztpraxis ein Notfalltraining?
Auch wenn es keine starre gesetzliche Vorgabe gibt, gilt:
Ein Notfalltraining sollte mindestens einmal pro Jahr stattfinden.
Zusätzliche Schulungen können sinnvoll sein, wenn:
neue Mitarbeitende ins Team kommen
sich Praxisabläufe ändern
neue Notfallgeräte angeschafft werden
Regelmäßige Trainings sorgen dafür, dass das gesamte Praxisteam sicher, schnell und strukturiert handeln kann, wenn ein medizinischer Notfall eintritt.
Und genau das kann im Ernstfall Leben retten.
✔ Tipp für Zahnarztpraxen: Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Notfallabläufe und die Ausstattung Ihrer Praxis. Kostenlose Notfall-Checklisten für Zahnarztpraxen können dabei helfen, Schwachstellen frühzeitig zu erkennen.




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